banner_weiss.gif

Blumen-Apotheke

  • Apotheker Theo Reinert e.Kfm.
  • Mannheimer Str. 54
  • 68309 Mannheim

Diabetes-Prävention in der Apotheke

Blutdruck, Blutzuckerspiegel und Bauchumfang messen: Durch einfache Tests können Apotheker das Diabetesrisiko einschätzen und Menschen zu einem gesünderen Lebensstil verhelfen
von Barbara Kandler-Schmitt, 21.10.2015

Werte bestimmen: Blutzuckertest in der Apotheke

W&B/Maik Kern

Die Prävention ist zu Christine Pierschels Steckenpferd geworden. "Im Alltag hat man sonst kaum Gelegenheit, so intensiv mit Kunden ins Gespräch zu kommen", schwärmt die Apothekerin aus dem fränkischen Fürth. "Das war eine ganz tolle Erfahrung." Um zu zeigen, was Apotheker in der Prävention alles leisten können, betreute sie im Rahmen einer Studie Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko.

Individuelle Ziele festlegen

Übergewicht, zu viel Bauchfett, Bewegungsmangel – und schon steigt die Gefahr, an Typ-2-Diabetes zu erkranken: Die Bauchspeicheldrüse produziert nicht genügend blutzuckersenkendes Insulin, oder die Empfindlichkeit der Körperzellen für das Hormon nimmt ab. Folge ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Auch Patienten mit Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten sind Risikokandidaten: Als "metabolisches Syndrom" treten diese Krankheiten oft gemeinsam auf und gelten als Vorstufe von Typ-2-Diabetes.

Christine Pierschel setzte mit jedem Teilnehmer individuell realisierbare Ziele fest. "Die eine wollte vor allem ihr Gewicht reduzieren, der andere mehr Sport treiben", erzählt sie. Wieder andere nahmen sich vor, mehr Obst und Gemüse zu essen oder endlich mit dem Rauchen aufzuhören. Fazit: "Alle haben letztlich profitiert."

Fragebögen und Gruppenschulungen

Für die "Glicemia-Studie" betreuten 40 bayerische Apotheken ein Jahr lang insgesamt 992 Personen ab 35 Jahre. Kernstück der Beratung waren drei ausführliche Gespräche zu Studienbeginn sowie nach sechs und zwölf Monaten. Dabei wurden anhand von Fragebögen das individuelle Diabetes-Risiko bestimmt und Gewicht, Taillen- und Hüftumfang, Blutdruck und Blutzuckerspiegel erfasst. "Teilnehmer mit hohem Risiko schickten wir gleich zum Arzt", sagt Pierschel.

Regelmäßige Gruppenschulungen und ein Schrittzähler sollten zum Durchhalten motivieren. Tagespensum: 10.000 Schritte. Zu anstrengend? Keineswegs: "Unsere 29 Teilnehmer waren Feuer und Flamme", erzählt Christine Pierschel. Manche brachten es auf 30.000 Schritte am Tag. Auch die Pfunde seien tüchtig gepurzelt: "Eine Kundin hat fast 20 Kilo abgenommen."

Die Ergebnisse der Glicemia-Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlicht. "Rund 40 Prozent der Teilnehmer konnten ihr Risiko deutlich senken", erklärt die Studienautorin Dr. Karin Schmiedel. "In der Kontrollgruppe, die nicht durch Apotheker betreut wurde, stieg das Risiko dagegen an."

Dr. Michael Eder ist Inhaber einer Apotheke in Berlin

W&B/Holthaus

Apotheker motivieren Menschen, gesünder zu leben

Dr. Michael Eder, Apothekenleiter im Berliner Stadtteil Pankow, bestätigt: "Wir könnten in der Prävention viel mehr leisten, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen stimmen würden." Seine Erfahrungen waren bislang eher ernüchternd: "Es ist nicht leicht, Patienten mit einem Vortrag vom Sofa zu locken." Und für längere Gespräche fehle im Apothekenalltag oft die Zeit.

Deshalb setzt Eder auf kleine, aber effektive Maßnahmen: Unermüdlich motiviert er seine Kunden zu gesunder Lebensführung, misst den Blutzucker und schickt sie bei auffälligen Werten zum Arzt. Er erklärt wichtige Zusammenhänge und gibt Ratschläge mit auf den Weg. "Diabetes tut nicht weh, weshalb viele keinen Handlungsbedarf sehen", sagt er. "Deshalb sensibilisieren wir unsere Kunden für das Thema und helfen ihnen, den inneren Schweinehund zu überwinden."

Obwohl die Glicemia-Studie abgeschlossen ist, nutzen viele Teilnehmer weiter den Schrittzähler. Christine Pierschel freut das: "Als Apothekerin tut es mir gut, wenn ich Menschen helfen kann, sich selbst zu helfen."



Bildnachweis: W&B/Maik Kern, W&B/Holthaus

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Spezials zum Thema

Stechhilfe

Zuckerkrankheit: Diabetes – was ist das?

Diabetes mellitus geht mit zu hohen Blutzuckerwerten einher. Es ist wichtig, die Krankheit rechtzeitig zu behandeln, um Schäden an Organen wie Herz, Augen und Nieren zu vermeiden »

Haben Sie Schlafprobleme?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages